Reiseland Russland, ein Fazit

Das komplizierteste an einer Russland-Reise ist die Einreise, oder genauer: das Visum zu beantragen. Zunächst benötigt man eine Einladung. Man kann diese von Privatpersonen, Firmen oder Organisationen aus Russland bekommen, oder sie von einer Reiseagentur kaufen. Mit der Einladung lässt sich ein Visum beantragen. Dazu muss man persönlich auf dem Konsulat erscheinen, wofür man vorher einen Termin beantragen muss. Den bearbeiteten und genehmigten Visa-Antrag holt man persönlich vom Konsulat ab. Man kann diese Prozedur gegen Entgelt an eine Visa-Agentur abgeben, was ich getan habe. Für das Visum braucht man desweiteren eine von Russland anerkannte Krankenversicherung – Liste bekommt man vom Konsulat – sowie einen Verdienstnachweis bzw. Nachweis der Rückkehrwilligkeit, wofür man seine Finanzielle Situation offenlegen muss. Will man das nicht, kann man diesen Nachweis auch für 15,- Euro kaufen. Macht Sinn, oder?

Hat man das Visum, ist der Grenzübertritt vollkommen unspektakulär. Bei mir war das mehr oder weniger ein Stempel im Vorbeigehen.

Öffentliche Verkehrsmittel sind in Russland das Mittel der Wahl. Mit dem Zug kommt man fast überall hin. Die Züge sind grösstenteils modern und recht günstig, wenn man Zeit hat. Expresszüge sind preislich mit Deutschland vergleichbar.

Innerorts gibt es meist ein Tram- und Linienbus-System, das einen billig aber langsam an das gewünschte Ziel bringt. Ausserdem gibt es überall Marschrutkas, also Kleinbuslinien. Hier ist nicht immer klar, wohin sie fahren oder wo sie halten – man muss fragen. Gezahlt wird beim Ausstieg, also Kleingeld bereithalten! Die Marschrutkas sind unbequem, voll und nicht klimatisiert, ausserdem haben die Fahrer eine sehr offensive Fahrweise.

Die Russen an sich machen oft einen eher unglücklichen Eindruck, man sieht sehr viele nach unten gezogene Mundwinkel. Besonders staatlich Angestellte pflegen mit Vorliebe den betont unfreundlichen Umgangston.

Die jüngeren Russen orientieren sich deutlich an den USA, viele haben aber auch Sehnsucht nach den alten Sowijet-Zeiten. Ich habe auch von Einigen erfahren, dass man nach der Wiedereingliederung der Krim nun auch ganz gerne Alaska wieder haben würde. Die berüchtigte russiche Trinkbereitschaft ist tatsächlich ein Problem, besonders in kleineren Orten. Hier kann die Stimmung auch recht schnell kippen. Ein jüngerer Russe, der anfangs sehr nett war, begann mich plötzlich als Faschist zu beschimpfen, als wir mal nicht einer Meinung waren. Meistens reicht es aber aus, mit ein paar Zigaretten das betrunkene Gegenüber bei guter Laune und fern zu halten. Ich habe zu diesem Zweck immer eine Schachtel dabei.

Essen ist in Russland vor allem eines: reichlich. Oft aber leider nicht sehr schmackhaft, obwohl Gerichte wie Bortsch, Pelmeni und Blini sehr gut sein können. Insgesamt wird sehr viel mit Kartoffeln, Milch- und Eiprodukten gekocht, Zwiebeln sind auch sogut wie überall drin. Typische und, wenn gut zubereitet, leckere Gerichte sind:
– Bortsch, die bekannte Rote-Beete Suppe
– Soljanka, eine Suppe mit Wurst, Tomaten und allem, was die Küche so hergibt
-Blini, dünne Eierpfannkuchen, süss oder herzhaft gefüllt
-Pelmeni, kleine gefüllte Teigtaschen
-Wareniki, etwas grössere Teigtaschen
-Piroschka, halbmondförmige Teigtaschen, gefüllt mit Kartoffeln oder Kraut oder Quark
-Gretschka, Buchweizengrütze, in die man zB. Früchte oder süsse Kondensmilch einrührt
-Posa, kommen aus der Burjat oder mongolischen Küche, mit Fleisch (oft Lamm) gefüllte Teigtaschen, dazu gibt es eine Art Sojasauce.
Zu den meisten Gerichten wird Schmand gereicht.
Eine Spezialität in der Baikal-Region, wo ich ca. 2 Wochen verbracht habe, ist Omul.
Der Omul ist ein im Baikalsee endemischer Weissfisch, der überall, hauptsächlich geräuchert, angeboten wird. Man bekommt auch Omul-Kaviar, war aber nicht so mein Fall.

Reisende Russen führen grosse Mengen Nahrungsmittel mit sich, zu denen sie andere gern und grosszügig einladen. Angst zu hungern muss man also nicht haben, falls man einmal nichts dabei hat. In dem kleinen Ort Bolschije Koti zB. gibt es nur ein kleines Magazin, also Geschäft. Ich kam Nachmittags an, und alles, was ich noch kaufen konnte, war ein altes Brot, eine sehr dubiose Fleischwurst und Wasser. Ich hatte mich schon auf dieses Gefängnis-Dinner eingestellt, aber wieder einmal nicht mit den Mitreisenden gerechnet, die mich in der Herberge regelrecht gefüttert haben mit frischen Eiern, Schinken, Nüssen, Kuchen und Konfekt. Das Brot habe ich weggeworfen, die Wurst in das Wandergepäck befördert, um sie evtl. streunenden Hunden (oder Bären?) vorwerfen zu können, die meinen Wanderweg kreuzen werden könnten.

 

Ein Kommentar zu „Reiseland Russland, ein Fazit

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