eine Woche Tour

Ich ziehe eine kurze Zwischenbilanz nach der ersten Woche:

das Reisen in Polen ist sehr einfach. Man kann sich meist auf englisch verständigen, die Preise sind günstig und das Buchen von Unterkünften ist unkompliziert.

Auch das Schlafen in Mehrbettzimmern klappt mit Ausnahmen ganz gut.

Ich bin jetzt erst eine Woche unterwegs, habe aber schon die verrücktesten Leute getroffen. Ein kleiner Auszug:

In Posen teilte ich mit Simon aus Bristol ein 4 Bettzimmer. Er ist Medikamentenprobant. Wenn er Nachricht für eine neue Studie bekommt, begibt es sich an den jeweiligen Ort, nimmt die zu testenden Medikamente zu sich und dokumentiert dann die auftretenden Nebenwirkungen. Einige davon schienen durchaus permanent zu sein. Ausserdem eröffnet er ein Hostel in Krakau und reist durch Polen, um sich Ideen hierfür zu abzugucken.

In Opole kommen in einer kleinen Seitenstrasse vor der Unterkunft 2 Gestalten auf mich zu, die einem Bud-Spencer Film entsprungen zu sein scheinen. Der eine ein knapp 2-Meter Schrank mit Oberarmen wie ein Bein, Stoppelhaaren und offensichtlich sehr begrenzten kognitiven Fähigkeiten, der andere ein rothaariger Sitzriese mit schmierigen Haaren und ebenso schmierigem Grinsen. Er übernimmt in diesem Duo das Reden, der Schrank wiederholt besonders wichtige Worte. Was genau die beiden nun wollten habe ich nicht mitbekommen, da sie nur russisch mit einigen eingestreuten deutschen und englischen Worten sprachen. Ich musste mir bei dem Anblick dieser unwirklich erscheinenden „Filmschurken“ ernsthaft das Lachen verkneifen, aber provozieren wollte ich sie nun auch nicht. Ich habe Ihnen erklärt, dass die Unterkunft sehr, sehr teuer sei, weil ich befürchtete, sie könnten dort absteigen wollen und womöglich noch das Zimmer mit mir teilen.

In Krakau spreche ich mit einem weiteren Simon aus Canada, er experimentiert mit Lasern. Ausserdem treffe ich Frank aus den USA, der seinen gutbezahlten Bankerjob vor 10 Jahren gekündigt hat und seitdem durch die Welt reist. Ein weiterer Gast ist ein dicker Pole, er betritt den Schlafraum, in dem alle anderen schon im Bett liegen, schaltet das Licht ein und kündigt an, dass er nun da sei. Ob es denn noch andere Polen hier gäbe; und er liess uns wissen, er sei ein „very noisy sleeper“. Was das bedeutete, sollte sich später zeigen. Vorher hatte er bereits die gesamte Herberge aus dem Bett geklingelt, weil er es nicht schaffte, die Tür zu öffen. Es gibt ja immerhin 2 Möglichkeiten, drücken und ziehen. Nach ca. 10 Minuten Selbstgespräch mitten im Schlafraum löschte er dann das Licht und legte sich hin. Es muss etwa 1 Stunde gedauert haben, als ich aus dem Halbschlaf aufschreckte wie vom Blitz getroffen – so etwas hatte ich noch nie gehört! Dieser Typ schnarchte nicht einfach nur, er schrie im Schlaf wie ein Tier in unglaublicher Lautstärke und stampfte dazu mit dem Bein abwechselnd auf die Matratze und gegen die Wand; Wodka und Bierschwaden wirbelten aus seiner Richtung durch den Raum. Die Hostelbetreiberin setzte ihn gegen 2:45 vor die Tür, als sie bemerkte, dass sich sämtliche fünf anderen Zimmerbewohner mit ihrem Bettzeug in der Küche versammelt hatten um dort auf den Bänken zu schlafen. Der Kerl war übrigens Busfahrer und hatte am Morgen eine Tour nach Stettin. Na dann alles Gute, liebe Passagiere.

Clara aus Equador treffe ich in Warschau, sie ist Technikerin für Wassermanagement und feiert ihr Examen mit einer Reise durch Europa. Ranjib aus Mumbai ist kein IT-ler, sondern Business consultant, lebt in Wrocław und fliegt einmal pro Woche nach New York zum Meeting. Und Hiraaki aus Tokio ist angehender Doktor und macht ein Praktikum am Klinikum. Er kippt ein Bier nach dem anderen in sich rein und kann kaum noch reden, bleibt aber selbst betrunken äusserst höflich und bescheiden. Kann sich mancher Engländer ein Beispiel dran nehmen.

Deutsche oder Musiker treffe ich kaum bis gar nicht. Das ist gut, denn davon kenne ich schon genug.

 

Veröffentlicht in Polen

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